banner-neu.jpg
  • Apothekerin Wiebke Meins e.Kfr.
  • Karpendeller Weg 19
  • 40822 Mettmann

Enzephalitis: Entzündung im Gehirn

Eine Enzephalitis kann lebensbedrohlich sein. Sie wird meist von Viren verursacht. Aber auch Bakterien, Parasiten oder eine Überreaktion der Körperabwehr sind mögliche Auslöser
von Franziska Draeger, aktualisiert am 28.01.2015

Kopfschmerzen – nur ein mögliches Symptom bei Enzephalitis

Thinkstock/iStockphoto

Das Gehirn ist quasi der Hochsicherheitstrakt des Körpers. Die Blut-Hirn-Schranke wehrt unerwünschte Eindringlinge wie Bakterien und Viren ab, bevor sie ins empfindliche Nervengewebe gelangen können. Doch der Schutz ist lückenhaft: Einige Erreger finden einen Weg in das Gehirn. Dort können sie eine Entzündung hervorrufen, eine Enzephalitis. Das Gewebe schwillt an, dabei können einzelne Nervenzellen absterben oder großflächige Schäden entstehen. Auch eine Hirnblutung ist eine mögliche Folge.

Babys und Kleinkinder entwickeln häufiger eine Gehirnentzündung als Erwachsene. Manchmal tritt eine Enzephalitis gemeinsam mit einer Meningitis auf. Das heißt, neben dem Gehirngewebe selbst sind auch seine Schutzhüllen, die Hirnhäute entzündet. Man spricht dann von einer Meningoenzephalitis.

Enzephalitis: Welche Ursachen gibt es?

Verschiedenste Erreger können eine Enzephalitis hervorrufen. Einige sind normalerweise recht harmlos, viele Menschen tragen sie unbemerkt in sich: Herpesviren oder Zytomegalie-Viren zum Beispiel. Doch wenn die Körperabwehr geschwächt ist, können diese Erreger ins Gehirn eindringen. Viele Viren, die Kinderkrankheiten verursachen, können ebenfalls eine Gehirnentzündung auslösen. Dazu gehören die Erreger von Masern, Mumps, Kinderlähmung, Röteln und Windpocken. Manche Viren werden von Zecken oder Mücken übertragen: die Erreger der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die in Europa weit verbreitet ist oder die der Japanischen Enzephalitis, die in Teilen Asiens existiert.

Auch verschiedene Bakterien können eine Gehirnentzündung auslösen: von Zecken übertragene Borrelien etwa, Tuberkulose- und Syphilis-Bakterien.

Bei immungeschwächten Personen, zum Beispiel Aids-Patienten oder Menschen, die sich gerade von einer Organtransplantation erholen, können auch größere Parasiten oder Pilze die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Hierzu gehören verschiedene Rundwürmer oder die Erreger der Toxoplasmose.

Nicht immer wird eine Enzephalitis von einem Krankheitserreger verursacht. Eine Autoimmun-Reaktion kann ebenfalls die Ursache sein: Das Abwehrsystem eines Menschen greift hier das eigene Gehirn an. Dies kann durch einen Infekt oder eine sonstige Fehlaktivierung des Immunsystems ausgelöst werden (Autoimmunenzephalitis). Oder das Abwehrsystem wird durch einen Tumor, der irgendwo im Körper wächst, angestachelt.

Welche Symptome deuten auf eine Enzephalitis hin?

Wenn eine Enzephalitis sehr milde verläuft, kann sie mit einer normalen Erkältung verwechselt werden. Beschwerden wie Fieber, Appetitlosigkeit, Kopfweh und Müdigkeit treten auf und verschwinden nach mehreren Tagen wieder vollständig. Welche Symptome hinzukommen, hängt davon ab, welcher Teil des Hirns betroffen ist: Ungeschicktheit, Reizbarkeit, Verwirrtheit, Sprachstörung, ein unsicherer Gang, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, manchmal ein steifer Nacken und Rücken sind mögliche Beschwerden.

Bei Babys und Kleinkindern ist eine Enzephalitis oft schwer zu erkennen. Folgende Anzeichen weisen darauf hin: Ihr Körper wirkt steif, sie schreien vermehrt und beruhigen sich nicht, wenn sie hochgenommen werden, sondern brüllen eher noch lauter. Sie trinken kaum und erbrechen sich möglicherweise. Einen weiteren Hinweis kann die Fontanelle geben, also der Bereich am Kopf eines Babys, der weicher ist als der Rest, weil sich hier die Schädeldecke erst nach zwei Jahren komplett schließt. Bei einer Hirngewebsentzündung kann sich dieser leicht nach außen wölben.

Eine akute schwere Gehirnentzündung ist lebensbedrohlich und muss unverzüglich behandelt werden. Bei folgenden Alarmsignalen heißt es sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus: Wenn Fieber und Kopfschmerzen verbunden sind mit einer Trübung des Bewusstseins, einer Wesensänderung (Verwirrtheit, Gereiztheit, Gedächtnisstörungen), mit epileptischen Anfällen oder Lähmungen.

Bei chronischen Formen der Gehirnentzündung, die durch das Immunsystem bedingt sind, kommt es häufiger zu schleichend beginnenden Symptomen. Anfangs können sich Patienten neue Informationen schlechter merken und es fällt ihnen schwerer, sich zu konzentrieren. Dazu können psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, Halluzinationen oder Wahn kommen; schließlich zeigen die Patienten epileptische Anfälle, die sich auch nur als Dämmerzustände äußern können.

Beratender Experte: Professor Dr. Matthias Reinhard, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Uniklinikum Freiburg. Sein Schwerpunkt liegt auf der neurologischen Intensivmedizin

Jessica Hath

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

In einer ersten Untersuchung kann der Arzt feststellen, dass der Patient Ausfallerscheinungen hat wie eine Trübung des Bewusstseins, Lähmungen, Schwierigkeiten beim Sprechen oder sonstige Störungen der höheren Hirnfunktionen. Ein steifer Nacken ist ein weiterer Hinweis, im Allgemeinen jedoch vor allem ein Zeichen einer zusätzlichen Infektion der Hirnhäute (Meningitis).

Eine Computer- oder besser Kernspintomografie (CT oder MRT) zeigt an, ob ein Bereich im Gehirn geschwollen ist. Die Ableitung der Hirnströme (EEG) kann Verlangsamungen in den betroffenen Hirnregionen zeigen.

Um zu erfahren, welcher Erreger hinter der Enzephalitis steckt, lässt der Arzt das Blut des Patienten im Labor testen. Die Diagnose kann jedoch in aller Regel erst durch die Untersuchung des "Nervenwassers" (Liquor) gestellt werden. Dazu entnimmt der Arzt mit einer Nadel eine Probe im Bereich der Lendenwirbelsäule. Mit modernen dünnen Nadeln verläuft diese Untersuchung meist ohne Komplikationen oder starke Schmerzen.

Behandlung bei Enzephalitis

Ein Patient mit Enzephalitis muss unbedingt stationär behandelt werden, und zwar idealerweise in einem spezialisierten Krankenhaus (neurologische Abteilung einer Klinik oder spezialisierte Kinderklinik). Die Therapie umfasst Bettruhe, Fiebersenkung, Flüssigkeitsgabe und Schmerzmittel. Zusätzlich können Medikamente gegen epileptische Anfälle und Beruhigungsmittel gegeben werden. In schweren Fällen liegen Patienten während der Erkrankung auf einer Intensivstation.

Gegen die Erreger verordnen Ärzte passende Medikamente: Bestimmte Formen der Virus-Enzephalitis (Herpes-Viren) müssen unverzüglich mit einem starken Virus-hemmenden Mittel therapiert werden. Gegen manche andere Formen der Virus-Enzephalitis, wie FSME,  gibt es keine speziell wirksamen Gegenmittel. Bei einer durch Bakterien oder Parasiten verursachten Gehirnentzündung kommen Antibiotika zum Einsatz. Ist die Enzephalitis durch eine Autoimmunreaktion entstanden, kommen je nach genauer Ursache auch Substanzen zur Unterdrückung des Immunsystems (zum Beispiel Kortison oder sogar Blutwäsche-Verfahren) zur Anwendung.

Wie sind die Heilungsaussichten?

Die akute Gehirngewebsentzündung mit Fieber dauert etwa ein bis zwei Wochen. Sie kann unterschiedlich schwer verlaufen. Manchmal ist sie mild, der Patient ist danach schnell wieder auf den Beinen. Nach einer schweren Entzündung kann es Monate dauern, bis sich der Betroffene wieder vollständig erholt hat. Manche Patienten müssen mit bleibenden Schäden leben: Sie sehen oder hören schlechter als zuvor, haben Probleme, sich zu konzentrieren oder sich an bestimmte Dinge zu erinnern. Auch Schwierigkeiten beim Sprechen oder Gehen können zurückbleiben. Wird eine schwere Enzephalitis nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie tödlich verlaufen.

Kann man einer Enzephalitis vorbeugen?

Gegen viele Viren, die eine Enzephalitis auslösen können, gibt es wirksame Schutzimpfungen: Masern, Mumps, Röteln, Windpockenvirus (Zoster), Kinderlähmung, FSME, Influenza. Der Arzt berät dazu. Gegen die ebenfalls von Zecken übertragenen Borrelien kann man sich zwar nicht impfen lassen, hier hilft es jedoch, nach einem Tag an der frischen Luft die Haut nach Zecken abzusuchen. Wenn man sie möglichst früh entfernt, sinkt das Infektionsrisiko. Vor einem Urlaub sollte man sich genau informieren, welche Schutzimpfungen für das Reiseziel empfohlen werden.

Quellen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0002388/
www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_043.pdf
(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten)


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, Jessica Hath

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Gehirn

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Sie wird meist durch Viren, aber auch Bakterien wie Meningokokken ausgelöst »

Vorbeugen

Impfung

Schutzimpfungen

Ein kleiner Piks kann manche Krankheit verhindern »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages